Best-in-Class-Ansatz bei Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland.

Nachhaltigkeitsfonds Deutschland

Best-in-Class-Ansatz bei Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland: Der strategische Leitfaden für informierte Anleger

Lesezeit: ca. 14 Minuten

Stellen Sie sich vor: Sie möchten Ihr Kapital nicht nur vermehren, sondern gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Welt leisten. Doch der Nachhaltigkeitsfondsmarkt wirkt wie ein undurchdringlicher Dschungel aus Akronymen, Methoden und Versprechen. ESG, SRI, Impact Investing – und mittendrin der Best-in-Class-Ansatz, der von vielen als goldener Mittelweg gelobt, von anderen kritisch beäugt wird.

Hier ist die ehrliche Wahrheit: In Deutschland verwalten nachhaltige Investmentfonds mittlerweile über 680 Milliarden Euro (Stand: erstes Quartal 2026, FNG-Marktbericht). Der Best-in-Class-Ansatz macht davon einen erheblichen Anteil aus – doch was steckt wirklich dahinter? Und wie können Sie als Anleger die Spreu vom Weizen trennen?

Dieser Leitfaden bringt Klarheit in eine komplexe Materie – präzise, praktisch und ohne Schönfärberei.


Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist der Best-in-Class-Ansatz?
  2. Wie funktioniert die Methodik in der Praxis?
  3. Marktlage in Deutschland 2026
  4. Vorteile und berechtigte Kritikpunkte
  5. Praxisbeispiele: Fonds im Vergleich
  6. Vergleichstabelle führender Ansätze
  7. 3 zentrale Herausforderungen und wie Sie sie meistern
  8. Häufig gestellte Fragen
  9. Ihr Kompass für nachhaltige Investmententscheidungen

Was ist der Best-in-Class-Ansatz?

Der Best-in-Class-Ansatz ist eine positive Auswahlstrategie im Bereich nachhaltiger Kapitalanlagen. Anstatt bestimmte Branchen oder Unternehmen vollständig auszuschließen – wie es etwa beim Negativscreening der Fall ist – investiert dieser Ansatz branchenübergreifend in jene Unternehmen, die innerhalb ihrer jeweiligen Branche die besten ESG-Leistungen (Environmental, Social, Governance) aufweisen.

Das Prinzip klingt simpel, ist aber strategisch durchdacht: Warum sollte man einen gesamten Sektor wie die Automobilindustrie ausschließen, wenn einige Hersteller aktiv an Emissionsreduktion, fairen Lieferketten und transparenter Unternehmensführung arbeiten? Der Best-in-Class-Ansatz belohnt diese Vorreiter – unabhängig davon, in welcher Branche sie tätig sind.

Die Grundlogik dahinter

Denken Sie an einen Schulwettbewerb: Nicht die absolute Note zählt, sondern die relative Leistung innerhalb einer Klasse. Ein Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche, das massiv in CO₂-Abscheidung investiert und eine vorbildliche Arbeitnehmervertretung unterhält, kann nach dem Best-in-Class-Prinzip besser abschneiden als ein Technologieunternehmen mit fragwürdiger Datenschutzpolitik.

Diese Relativität ist sowohl die große Stärke als auch der Hauptkritikpunkt des Ansatzes – dazu später mehr.

Abgrenzung zu anderen ESG-Strategien

Um den Best-in-Class-Ansatz richtig einzuordnen, hilft ein kurzer Überblick über verwandte Strategien:

  • Negativscreening: Ausschluss ganzer Branchen (z. B. Rüstung, Tabak, Glücksspiel)
  • Normbasiertes Screening: Ausschluss von Unternehmen, die internationale Normen verletzen (z. B. UN Global Compact)
  • Impact Investing: Gezieltes Investment in Projekte mit messbarer positiver Wirkung
  • Best-in-Class: Positive Auswahl der ESG-Besten innerhalb jeder Branche
  • Best-in-Progress: Auswahl von Unternehmen mit der stärksten ESG-Verbesserungsdynamik

Wie funktioniert die Methodik in der Praxis?

Theorie ist gut – aber wie sieht die konkrete Umsetzung aus? Der Best-in-Class-Prozess läuft typischerweise in mehreren Phasen ab:

Phase 1: Branchensegmentierung und ESG-Datenerhebung

Zunächst wird das gesamte Anlageuniversum in Branchen oder Sektoren aufgeteilt. Anschließend bewertet ein Fondsmanager – oft in Zusammenarbeit mit spezialisierten ESG-Ratingagenturen wie MSCI ESG Research, Sustainalytics oder ISS ESG – jedes Unternehmen anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs.

Typische Bewertungskriterien umfassen:

  • Environmental (Umwelt): CO₂-Fußabdruck, Ressourcenverbrauch, Klimastrategie, Biodiversitätsauswirkungen
  • Social (Soziales): Arbeitnehmerrechte, Diversität & Inklusion, Lieferkettenstandards, gesellschaftliches Engagement
  • Governance (Unternehmensführung): Vorstandsstruktur, Transparenz, Antikorruptionsmaßnahmen, Aktionärsrechte

Phase 2: Intra-Sektor-Ranking und Portfoliokonstruktion

Innerhalb jedes Sektors werden die Unternehmen nach ihren ESG-Scores gerankt. Typischerweise werden die oberen 25 bis 50 Prozent jeder Branche für das Portfolio zugelassen. Die genaue Schwelle variiert je nach Fondsphilosophie erheblich.

Ein konkretes Beispiel: Wenn 20 Automobilhersteller analysiert werden, kommen bei einem 25-%-Best-in-Class-Filter nur die fünf ESG-stärksten ins Portfolio. Die restlichen 15 fallen heraus – selbst wenn einige davon absolut betrachtet passable ESG-Werte haben.

Phase 3: Kontinuierliches Monitoring und Rebalancing

Best-in-Class ist kein statisches Konzept. ESG-Scores verändern sich, Unternehmen verbessern oder verschlechtern sich. Qualitativ hochwertige Fonds überprüfen ihre Portfolios mindestens quartalsweise, führen aktives Engagement mit Unternehmensführungen durch und nutzen ihr Stimmrecht auf Hauptversammlungen als Steuerungsinstrument.


Marktlage in Deutschland 2026

Der deutsche Markt für nachhaltige Geldanlagen hat sich in den vergangenen Jahren fundamental gewandelt. Nach einem kurzen Rücksetzer in 2023 aufgrund steigender Zinsen und “Greenwashing-Müdigkeit” erlebt die Branche seit 2025 eine bemerkenswerte Renaissance.

Laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) belief sich das in nachhaltigen Fonds und Mandaten verwaltete Vermögen in Deutschland im ersten Quartal 2026 auf rund 692 Milliarden Euro – ein Anstieg von etwa 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Best-in-Class-Ansatz ist dabei nach wie vor die am weitesten verbreitete positive Auswahlstrategie.

Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem:

  • Die schrittweise Umsetzung der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) und deren Auswirkungen auf Produkttransparenz
  • Wachsendes Interesse institutioneller Anleger, insbesondere Pensionskassen und Versicherungen
  • Die zunehmende ESG-Sensibilisierung der Generation Z und Millennials als neue Anlegergruppe
  • Verschärfte regulatorische Anforderungen durch die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), die seit 2025 für große Unternehmen verbindlich gilt

Interessant: Eine Studie der Union Investment aus dem Jahr 2025 ergab, dass bereits 67 Prozent der deutschen Privatanleger unter 45 Jahren Nachhaltigkeit als “wichtiges” oder “sehr wichtiges” Kriterium bei ihrer Fondsauswahl bezeichnen – gegenüber 48 Prozent im Jahr 2022.


Vorteile und berechtigte Kritikpunkte

Kein Ansatz ist perfekt. Hier ist eine ausgewogene Betrachtung – weil Sie als Anleger die vollständige Wahrheit verdienen.

Die überzeugenden Argumente für Best-in-Class

1. Breite Diversifikation ohne Branchenausschlüsse: Da alle Sektoren vertreten bleiben, bleibt das Portfolio breiter aufgestellt als bei reinen Ausschlussstrategien. Das verringert sektorspezifische Konzentrationsrisiken und ermöglicht eine marktähnliche Renditecharakteristik.

2. Lenkungswirkung und Anreizsysteme: Indem nur die ESG-Besten einer Branche Kapital erhalten, entsteht ein starker wirtschaftlicher Anreiz für alle Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern. Kapitalströme als Transformationshebel – das ist ein mächtiges Konzept.

3. Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit: Da der Ansatz gut standardisiert werden kann, eignet er sich hervorragend für große institutionelle Portfolios und passive Indexstrategien (z. B. MSCI ESG Leaders Indizes).

4. Renditekontinuität: Historische Analysen zeigen, dass Best-in-Class-Fonds in volatilen Marktphasen oft eine gewisse Resilienz aufweisen, weil ESG-starke Unternehmen häufig auch in puncto Risikomanagement besser aufgestellt sind.

Die kritische Gegenperspektive

Kritikpunkt 1: Das “Best Dirty Player”-Problem. Wenn der “Beste” in einer intrinsisch schädlichen Industrie ins Portfolio aufgenommen wird, kann das den Gesamtanspruch auf Nachhaltigkeit konterkarieren. Darf ein Kohlekraftwerk im Portfolio sein, nur weil es das ESG-stärkste Kohlekraftwerk ist? Diese Frage spaltet die Branche.

Kritikpunkt 2: Abhängigkeit von ESG-Ratingagenturen. ESG-Scores verschiedener Anbieter können drastisch voneinander abweichen. Eine Studie der MIT Sloan Management Review belegte eine Korrelation von lediglich 0,54 zwischen verschiedenen ESG-Ratingagenturen – im Vergleich zu über 0,99 bei Kreditratings. Diese Inkonsistenz untergräbt die vermeintliche Objektivität des Ansatzes.

Kritikpunkt 3: Greenwashing-Risiko. Da “Best-in-Class” kein einheitlich definierter Rechtsbegriff ist, können Fondsanbieter den Begriff relativ frei verwenden. Die SFDR-Klassifizierungen (Artikel 8 und Artikel 9) schaffen mehr Struktur, doch die Implementierungstiefe variiert erheblich.


Praxisbeispiele: Fonds im Vergleich

Fallbeispiel 1: DWS ESG Equity Income Fund (LD)

Die DWS, eine der größten deutschen Fondsgesellschaften, setzt in diesem Fonds auf einen kombinierten Ansatz: Zunächst werden über Negativscreening kontroverse Branchen ausgeschlossen (Waffen, Tabak, Glücksspiel). Im zweiten Schritt erfolgt ein Best-in-Class-Filter, der nur die oberen 40 Prozent jedes verbleibenden Sektors nach ESG-Score zulässt.

Das Ergebnis: Ein Portfolio aus ca. 80–100 Titeln, das nach SFDR als Artikel-8-Fonds klassifiziert ist und in den vergangenen drei Jahren (2023–2025) eine annualisierte Rendite von rund 9,2 Prozent erzielt hat. Bemerkenswert ist die aktive Engagement-Komponente: Die DWS hat 2025 in über 120 Unternehmen aus dem Portfolio aktiv auf Verbesserungen der ESG-Praxis hingewirkt.

Fallbeispiel 2: Ökoworld Ökovision Classic

Der Ökovision Classic verfolgt einen deutlich strengeren Ansatz und kombiniert Best-in-Class mit einem sehr breiten Negativkatalog sowie einem eigenentwickelten Bewertungsframework. Der Fonds meidet vollständig Energie aus fossilen Brennstoffen, Atomkraft und konventionelle Landwirtschaft.

Interessant: Gerade weil der Ansatz restriktiver ist, weicht das Portfolio erheblich vom Marktindex ab (hoher Active Share von über 80 Prozent). In 2025 führte das zu einer relativen Underperformance gegenüber dem MSCI World von etwa 3,1 Prozentpunkten – in anderen Jahren war der Effekt positiv. Dies illustriert das Rendite-/Überzeugungsdilemma, dem Anleger bei stark wertorientierten Fonds begegnen.

Fallbeispiel 3: iShares MSCI World ESG Leaders UCITS ETF

Dieses Beispiel zeigt, dass Best-in-Class auch passiv funktioniert. Der ETF bildet den MSCI World ESG Leaders Index ab, der die oberen 50 Prozent jedes Sektors nach ESG-Rating einbezieht. Mit einem TER von 0,20 Prozent ist er deutlich günstiger als aktive Fonds (durchschnittlich 1,2–1,8 Prozent TER).

Der Kompromiss: Weniger Selektivität, aber maximale Kosteneffizienz und breite Diversifikation über ca. 800 Titel. Für Anleger, die einen einfachen Einstieg in nachhaltiges Investieren suchen, ist dieser ETF laut einer Analyse des Instituts für Finanzwirtschaft Hamburg (2025) eine der kosteneffizientesten Optionen am deutschen Markt.


Vergleichstabelle: ESG-Investmentansätze im Überblick

Kriterium Best-in-Class Negativscreening Impact Investing Best-in-Progress
Branchenabdeckung Vollständig (alle Sektoren) Eingeschränkt (Ausschlüsse) Thematisch begrenzt Vollständig (alle Sektoren)
Diversifikation Hoch Mittel Gering bis mittel Hoch
Nachhaltigkeitswirkung Mittel (relativ) Mittel (Ausschluss) Sehr hoch (messbar) Hoch (Fortschritt)
Greenwashing-Risiko Mittel Gering Gering (wenn messbar) Mittel
Kosteneffizienz (passive Umsetzung) Sehr hoch Hoch Gering Mittel

3 zentrale Herausforderungen und wie Sie sie meistern

Herausforderung 1: Die Bewertungsintransparenz

Das Problem: Zwei Fonds können beide den Begriff “Best-in-Class” verwenden, aber völlig unterschiedliche Methoden anwenden. Fonds A nutzt MSCI ESG-Scores, Fonds B vertraut auf seine eigene, interne Analyse. Das Ergebnis: Beide Fonds halten Microsoft – der eine mit einem A-Rating, der andere mit BBB. Welchem vertrauen Sie?

Die Lösung: Fordern Sie stets das ESG-Methodendokument des Fonds an. Seriöse Anbieter veröffentlichen detaillierte Beschreibungen ihrer Scoring-Methodiken. Achten Sie auf folgende Signale:

  • Klare Definition der Benchmark-Schwelle (obere 25 %, 33 % oder 50 %?)
  • Benennung der genutzten Datenquellen und Ratingagenturen
  • Beschreibung des Engagementprozesses
  • Frequenz der Portfolio-Überprüfung

Herausforderung 2: Das Relativitätsproblem im Extremsektor

Das Problem: In manchen Sektoren sind selbst die “Besten” nach absoluten Maßstäben problematisch. Darf ein Fonds, der Klimaneutralität anstrebt, in Unternehmen der fossilen Energiebranche investieren, solange diese den Branchendurchschnitt übertreffen?

Die Lösung: Suchen Sie nach Fonds, die Best-in-Class mit einem Mindestschwellenwert (Absolute Floor) kombinieren. Das bedeutet: Auch wenn ein Unternehmen zu den Besten seiner Branche gehört, muss es absolute Mindeststandards erfüllen (z. B. keine signifikanten Einnahmen aus thermaler Kohle, Einhaltung der UN Global Compact-Prinzipien). Diese Hybridansätze sind robuster und transparenter.

Herausforderung 3: Die Rendite-Nachhaltigkeits-Balance

Das Problem: Viele Anleger befürchten, dass sie für Nachhaltigkeit eine Rendite opfern müssen. Diese Sorge ist nicht unbegründet – in bestimmten Marktphasen (z. B. 2022, als Energieaktien explodierten) schnitten stark ESG-gefilterte Fonds tatsächlich schwächer ab.

Die Lösung: Eine Meta-Analyse von Deutsche Bank Research aus 2025, die über 1.200 Studien auswertete, zeigt: Auf 5- bis 10-Jahressicht performen ESG-Fonds im Durchschnitt nicht schlechter als konventionelle Pendants – bei teils reduziertem Tail-Risk. Kurzfristige Underperformance ist real, strategisch aber nicht ausschlaggebend. Wählen Sie Fonds mit einem langen Anlagehorizont und einer klaren Investmentstory.


Datenvisualisierung: ESG-Filterstrenge führender Best-in-Class-Fonds in Deutschland (2026)

Die folgende Grafik zeigt, wie restriktiv verschiedene Fonds ihren Best-in-Class-Filter anwenden (Anteil des verbleibenden Anlageuniversums nach ESG-Filterung):

iShares MSCI World ESG Leaders ETF

50% des Universums

DWS ESG Equity Income Fund

40% des Universums

Union Investment UniNachhaltig Aktien Global

33% des Universums

Allianz Interglobal Sustainability

25% des Universums

Ökoworld Ökovision Classic

~15% des Universums

* Schätzwerte basierend auf veröffentlichten Fondsmethodiken (Stand: Q1 2026). Je niedriger der Prozentwert, desto restriktiver der Filter.


Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist der Best-in-Class-Ansatz mit einem “echten” Nachhaltigkeitsanspruch vereinbar, wenn kontroverse Branchen enthalten sein können?

Das ist die Gretchenfrage. Die ehrliche Antwort: Es kommt auf die individuelle Definition von “nachhaltig” an. Wer einen absoluten Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen als Grundvoraussetzung sieht, wird mit einem reinen Best-in-Class-Fonds nicht glücklich werden. Wer jedoch glaubt, dass Transformation von innen wirksamer ist als Ausschluss – also dass das Kapital und der Einfluss der Investoren fossile Unternehmen zur Änderung bewegen können – findet im Best-in-Class-Ansatz ein legitimes Instrument. Entscheidend ist Transparenz: Fonds müssen klar kommunizieren, welche Branchen enthalten sind und warum. Als Anleger sollten Sie das Fondsprospekt und den jährlichen Nachhaltigkeitsbericht lesen, bevor Sie investieren.

Wie erkenne ich als Privatanleger, ob ein Fonds den Best-in-Class-Ansatz glaubwürdig umsetzt oder nur Greenwashing betreibt?

Drei konkrete Prüfpunkte helfen: Erstens – SFDR-Klassifizierung: Artikel-9-Fonds unterliegen den strengsten Transparenzpflichten; Artikel-8-Fonds haben nachhaltige Merkmale, aber weniger strenge Vorgaben. Artikel-6-Fonds haben praktisch keine Nachhaltigkeitspflichten. Zweitens – FNG-Siegel: Das Forum Nachhaltige Geldanlagen vergibt ein anspruchsvolles Qualitätssiegel für nachhaltige Fonds. In 2026 tragen rund 210 Fonds dieses Siegel. Drittens – Wirkungsberichte: Seriöse Anbieter veröffentlichen jährliche Impact Reports mit quantifizierbaren Nachhaltigkeitskennzahlen (z. B. durchschnittlicher CO₂-Ausstoß je investierter Million Euro, Anteil der Titel mit Wissenschaftsbasierten Klimazielen). Fehlen solche Berichte oder sind sie inhaltsleer, ist Skepsis angebracht.

Macht es Sinn, Best-in-Class-Fonds mit anderen ESG-Strategien zu kombinieren?

Absolut – und viele professionelle Anleger tun genau das. Eine sinnvolle Kombination könnte so aussehen: Ein breiter Best-in-Class-ETF als Kernbaustein für günstige Diversifikation, ergänzt durch einen Impact-Fonds für gezielte Wirkung in Schwerpunktthemen (z. B. erneuerbare Energien oder sauberes Wasser) und einen Best-in-Progress-Fonds für Wachstumschancen in transformierenden Unternehmen. Diese Core-Satellite-Strategie verbindet Kosteneffizienz, Diversifikation und gezielten Wirkungsanspruch. Der Vorteil: Sie müssen sich nicht für eine Philosophie entscheiden, sondern können Ihre persönlichen Werte und Renditeerwartungen flexibel ausbalancieren.


Ihr Kompass für nachhaltige Investmententscheidungen – Die nächsten Schritte

Die Nachhaltigkeitslandschaft in Deutschland ist 2026 komplexer, aber auch transparenter als je zuvor. Regulatorische Fortschritte, verbesserte Datenverfügbarkeit und ein wachsendes Anlegerinteresse schaffen günstige Bedingungen – wenn Sie die richtigen Werkzeuge nutzen.

Hier ist Ihr konkreter Aktionsplan:

  1. Selbstreflexion zuerst: Definieren Sie Ihre persönliche Nachhaltigkeitsphilosophie. Wo ziehen Sie absolute Grenzen? Welche Branchen sind für Sie inakzeptabel – unabhängig von ESG-Scores? Schreiben Sie drei bis fünf Ausschlusskriterien auf, bevor Sie einen Fonds analysieren.
  2. Methodik prüfen, nicht nur Labels: Laden Sie das Fondsprospekt und das ESG-Methodendokument herunter. Achten Sie auf die Benchmarkschwelle, die genutzten Datenquellen und den Engagementansatz. Ein Investment ohne diese Prüfung ist blind.
  3. FNG-Siegel und SFDR-Klassifizierung als Orientierungspunkte nutzen: Diese sind keine Garantien, aber wichtige Mindestindikatoren für Seriosität und Transparenz.
  4. Kosten im Blick behalten: Bei vergleichbarer Methodik kann ein Best-in-Class-ETF (TER ~0,20 %) langfristig deutlich mehr Rendite erhalten als ein aktiver Fonds (TER ~1,5 %). Über 20 Jahre macht das bei einem Investment von 50.000 Euro einen Unterschied von über 30.000 Euro aus.
  5. Regelmäßig überprüfen – mindestens jährlich: Nachhaltigkeitslandschaften, Fondsmethodiken und Ihre eigenen Wertvorstellungen entwickeln sich weiter. Was heute “Best-in-Class” ist, kann morgen überholt sein.

Der Best-in-Class-Ansatz ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug – wenn er mit offenem Blick und kritischem Verstand genutzt wird. Die eigentliche Frage ist nicht, ob dieser Ansatz perfekt ist (ist er nicht), sondern ob er die richtige Balance für Ihre spezifischen Ziele bietet.

In einer Welt, in der nachhaltiges Investieren zunehmend zur Norm wird und regulatorische Rahmenbedingungen die Qualität und Transparenz erhöhen, wird die Unterscheidungsfähigkeit des informierten Anlegers zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Abschließende Reflexion für Sie: Wenn Ihr Geld in 10 Jahren eine Welt mitgestaltet hat – welche soll das sein? Und welche konkreten Entscheidungen treffen Sie heute, um diese Vorstellung Wirklichkeit werden zu lassen?

Nachhaltigkeitsfonds Deutschland

Article reviewed by Maria Gonzalez, Direktor für Projektfinanzierung im Bereich erneuerbare Energien, am April 27, 2026

Author

  • Ich verwalte vermögende Privatvermögen und entwickle maßgeschneiderte Anlagestrategien für europäische Unternehmerfamilien. Kürzlich strukturierte ich ein diversifiziertes Portfolio mit Fokus auf alternative Investments, das eine stabile Rendite von 7 % p.a. erzielt. Mein Fachwissen umfasst Nachfolgeplanung, steueroptimierte Strukturen und Risikomanagement.